| PFUNDIG ! Wenigstens in der Schweiz ist das Schächten nicht erlaubt.
13. März 2002
Tierschützer sprechen von «Sieg für die Tiere»
SIG bedauert Beibehaltung des Schächtverbots
Die Tierschützer haben mit grosser Freude auf die Beibehaltung des
Schächtverbots reagiert. Der Schweizer Tierschutz (STS) sieht darin
einen Teilsieg, der Tierschützer Franz Weber gar einen «Sieg für die
Tiere». Der SIG begründete das Einlenken mit der politischen Chancenlosigkeit einer Lockerung.
(ap) Der Schweizer Tierschutz hat mit Freude zur Kenntnis genommen, dass
auch in Zukunft in der Schweiz keine Tiere geschächtet werden. «Das ist
toll», sagte Geschäftsführer Hans-Ueli Huber auf Anfrage. Er sei froh,
dass der Bundesrat sein Eigengoal vom letzten Herbst wieder korrigiert
habe.
Es bestehe kein Grund zur Lockerung des Schächtverbotes, da alle
Bevölkerungsgruppen damit leben könnten und niemand dies gewollt habe.
Dass in der Diskussion vereinzelt antisemitische Stimmen aufgekommen
seien, hätte verhindert werden können. An der im Januar lancierten Initiative «Tierschutz-Ja!» will Huber in
jedem Fall festhalten. Es sei nicht zu tolerieren, dass das Niveau des
Tierschutzes nicht angehoben werde. Mit dem Import von geschächtetem
Fleisch könne der Tierschutz leben. Er werde aber auch ausländische
Organisationen im Kampf gegen die Schlachtmethode unterstützen.
Für den Tierschützer Franz Weber ist der Entscheid von Bundesrat
Couchepin ein «Sieg der Tiere», aber auch Gebot der Stunde. Ein gegenteiliger Entscheid hätte seiner Ansicht nach einen unsinnigen
Religionshass geschürt, wie er auf Anfrage sagte. Er sei froh, dass
Bundesrat Couchepin dies eingesehen habe im Sinne des Religionsfriedens.
«Ich bin sehr froh, wir hätten nämlich sofort ein Referendum lanciert
und die notwendigen Unterschriften innerhalb von 15 Tagen zusammengebracht», sagte Weber.
Chancenlosigkeit ausschlaggebend
Thomas Lyssy, Vizepräsident des Schweizerischen Israelitischen
Gemeindebundes (SIG), begründete die Abkehr von der Lockerung mit der
offensichtlichen Chancenlosigkeit des Vorhabens. Eine grosse Mehrheit
der Kantone und Verbände sei in der Vernehmlassung dagegen gewesen, was
sich auch auf das Parlament übertrage. «Wir kennen die demokratischen
Spielregeln in der Schweiz», sagte Lyssy. Mit Bedauern habe er zur Kenntnis genommen, das die Argumente des SIG
nicht angekommen seien. Lyssy sagte weiter, die jüdische Gemeinde habe
nach der Diskussion sehr grossen Druck gespürt. Angst vor Übergriffen
habe aber, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle gespielt. Man müsse
jedoch abschätzen, welches Risiko man für welchen Ertrag eingeht, sagte
Lyssy. Der ganze SIG akzeptiere den neuesten Entscheid.
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(Quelle: Neue Zürcher Zeitung online, CH, vom 13.03.2002) |