| Tierschutzverein steht trotz Kritik zur Hundevermittlung
In den vergangenen Tagen hätten sich bereits rund 60 Heime zur Übernahme von Hamburger Hunden bereit erklärt.
Der Hamburger Tierschutzverein will trotz laut gewordener Kritik an der Vermittlung von Kampfhunden in andere Orte
festhalten. Insgesamt 150 Tiere sollen bundesweit an andere Tierheime zur Weitervermittlung abgegeben werden, sagte am
Freitag der Geschäftsführer des Hamburger Tierschutzvereins, Wolfgang Poggendorf. Dabei sollen an jedes der Tierheime nur
ein oder zwei Hunde gehen. In den vergangenen Tagen hätten sich bereits rund 60 Heime zur Übernahme von Hamburger Hunden
bereit erklärt. Poggendorf betonte in diesem Zusammenhang, dass in der Vergangenheit jährlich 150 bis 200 Hunde aller
Rassen in andere Orte vermittelt wurden.
Walter Wilken, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, hatte die Aktion als "unverantwortlich"
kritisiert. "Die Hunde sollen in ahnungslose Familien entsorgt werden." Als "grotesk" bezeichnete Otto Wilhelm,
CDU-Bundestagsabgeordneter aus Rheinland-Pfalz, das Vorgehen: "Damit wird die Gefahr, die von diesen Tieren ausgeht, nur
verlagert." Sprecher der Landwirtschaftsministerien aus Niedersachsen und Bayern reagierten mit Unverständnis und
Ablehnung auf den Hamburger Kampfhund-Export, zumal sie bislang darüber nicht offiziell informiert worden seien. Und auch
aus der Hamburger SPD gab es Kritik: Parteichef Olaf Scholz forderte den sofortigen Stopp der Aktion: "Wenn diese
Kampfhunde irgendwann als Re-Importe hier wieder auftauchen, dann wird man auch im Rathaus begreifen, dass man Probleme
nicht löst, indem sie in andere Bundesländer exportiert werden", sagte Scholz in einem Zeitungsinterview.
Poggendorf wehrt sich gegen die, wie er meint, "politisch motivierte Kritik". Offensichtlich scheine Scholz mit der
Oppositionsrolle seiner Partei Probleme zu haben. "Wenn er heute die Abgabe der Hunde in die Tierheime anderer
Bundesländer kritisiert, scheint er vergessen zu haben, was der Senat unter der Herrschaft seiner eigenen Partei im
Sommer 200 nach dem tragischen Tod des kleinen Volkan beschlossen hat", so Poggendorf. Seit in Kraft treten der
verschärften Hamburger Hundeverordnung hat der Tierschutzverein 600 Tiere aufgenommen. "Nur die Vermittlung in eine
andere Stadt mit einer weniger unsinnigen Hundeverordnung ermöglicht eine artgerechte Haltung dieser friedlichen Tiere",
sagte Poggendorf. mk/dpa  |